
Tage des Zorns
Filmstart: 28.8.
Regie: Ole Christian Madsen;
Darsteller: Thure Lindhardt, Mads Mikkelsen, Stine Stengade, Christian Berkel, Hanns Zischler, Peter Mygind, Flemming Enevold
Nach dem niederländischen NS-Drama „Black Book" von Paul Verhoeven, machen sich nun auch die Dänen an die filmische Aufarbeitung ihrer jüngsten Geschichte. Wie in Holland avanciert auch diese Geschichtsstunde zum großen Kinoknüller, wird zu einem der erfolgreichsten Filme des Landes.
Im Mittelpunkt dieser wahren Begebenheit stehen die beiden Widerstandskämpfer Flame (Thure Lindhardt) und Citron (Bond-Bösewicht Mads Mikkelsen), die sich im Kopenhagen von 1944 einen Ruf als eiskalte Killer von Kollaborateuren gemacht haben. Dass der lokale Gestapo-Chef (wie schon in „Black Book" wieder gespielt von Christian Berkel!) eine hohe Belohnung auf die beiden Staatsfeinde aussetzt, stört das Duo wenig. Erst als die Motive des Widerstandchefs ins Zwielicht geraten und Flame sich in eine mysteriöse Blondine verliebt, wachsen die Zweifel am tödlichen Geschäft. In dem doppelbödigen Spiel geht es bald um Intrigen, Liebe und Verrat. Um Freundschaft, Macht und Feigheit. Die erste Hälfte dieses Dramas ist spannend wie ein Thriller inszeniert. Dramaturgisch gekonnt entwickelt und ebenso einfallsreich fotografiert, begleitet man die beiden Helden, die als junge Revolutionäre ihre Ideale verfolgen.
In der zweiten Halbzeit fehlt es indes deutlich an Kino-Kondition, die Story verzettelt sich in Kleinkram-Scharmützeln: Wer da nun wem und warum nicht mehr vertraut, verliert spürbar an Spannung und Zugkraft. Welches Spiel die geheimnisvolle Doppelagentin tatsächlich spielt, bleibt so beliebig wie jene unnötige Ehe-Krise von Citron oder der Vater-Sohn-Konflikt von Flame. Je mehr der Konflikt zwischen den Freuden stagniert, desto statischer wirken die Figuren. Beim endlosen Showdown im Kugelhagel vermisst man die überzeugenden Ideen des starken Auftakts Anfang umso mehr.
Dieter Oßwald
Stand: 15.7.2008